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Neun bis Vierzehn

Neun bis Vierzehn

by Gontran Peer

Haiku

124 Seiten, 0g, gebunden
ISBN-Nr.9783956321979
2.HJ - 10/2014
Preis: 12,90 €

Ist das nicht ein Inbild dafür, wie Autor und Leser im Haiku einander begegnen? Der Autor sucht einen Moment zu fassen, der im Leser „zündet“, wenn dieser ihn zu dem seinen macht. Nicht nur Verfassen von Haiku, auch ihre Lektüre bedarf der Schmetterlingsflügel. Drei programmatische Buchtitel hat Gontran Peer vorgelegt, bis „Haiku“ nun ein erstes Mal in den Untertitel wandert. „haiku zeitgemäß“ hieß es zu Beginn, die Quadratur des Kreises benennend. Ist es doch die Erfahrung der Zeitlichkeit, die uns ad absurdum führt. Dieser Zeit „gemäß“, also angemessen, schreibend zu begegnen, hat etwas von einer Utopie. Haiku aber gibt dem Ortlosen einen Ort. „westöstliche haiku“ – so der Titel des zweiten, an Goethes „Westöstlichen Divan“ gemahnenden Bandes – war nun ganz und gar poetisches Programm: es reicht nicht, die japanische Form zu adaptieren, ich muss sie mit Leben, meinem Leben füllen. „haiku im kreis“, der dritte Streich, den ersten explizierend; der Zeit „gemäß“ ist Dichtung, die die Zeit – im doppelten Wortsinne (konservierend und negierend) – aufhebt. Der Kreis als das stimmige Bild für die Unendlichkeit des erfüllten Augenblicks. Der neue Band „Neun bis Vierzehn – Haiku“ enträt aller Programmatik, indem er die Eckdaten der Veröffentlichung des ersten und des vierten Bandes als Zeitspanne protokolliert. Der Autor – endlich bei sich angekommen? Ja und nein. Denn bei sich angekommen ist er schon im ersten Band, der ganz der Poetik des Shasei nach Masaoka Shiki verpflichtet war und mich damit sogleich für mich einnahm. Eine Pendelbewegung ging dann hin zum „modernen Haiku“, das die klassischen Vorgaben hinter sich lässt. Durch die Chronologie der Bücher Gontran Peers wird eine stilistische Entwicklung deutlich, die aber nicht im platten Modell des „Fortschritts“ zu fassen ist. Gontran Peers Werk wächst organisch, er erweitert seine Möglichkeiten, er vergrößert sein Repertoire, ohne dass er dafür das hohe Potential des Beginns preisgeben müsste, könnte oder auch nur dürfte. „haiku im kreis“ bleibt für mich das überzeugende Bild dieses Weges. --- Rüdiger Jung ----

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